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Bismillah-ir-Rahman-ir-Rahim

Do, 09. Sep 2010



08.09.2010 21:18

Umfrage zu Bestattungs- möglichkeiten für Muslime

Die Föderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz (FIDS) führt im Rahmen einer Recherche...


05.09.2010 12:11

Ehrenmorde im Christentum?

Ded Gecaj, der kosovarische Katholik und Ehrenmörder, wurde an die Schweiz ausgeliefert.


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Islam und Herz

Zeitmanagement für Muslime

Datum: 25.04.2006 14:33 (last update: 19.03.2007 22:10)

Wir beschäftigen uns immer wieder mit der Frage, wie wir Allah näher kommen. Wir haben gesehen, es gibt so viele Dinge, die wir tun können, um uns Allah anzunähern. Wie setzten wir dies aber im Alltag um?

 

 

1. Einleitung
Wir beschäftigen uns immer wieder mit der Frage, wie wir Allah näher kommen. Wir haben gesehen, es gibt so viele Dinge, die wir tun können, um uns Allah anzunähern. Wie setzten wir dies aber im Alltag um? Der Prophet, Sallallahu alaihi wa Sallam, hat sinngemäss gesagt:

"Die von Allah am meisten geliebten Taten sind die regelmässigen, selbst wenn sie nur gering sind."

Wie aber bringen wir diese Regelmässigkeit in unseren Alltag? Ohne dass uns die "alltäglichen" Dinge unsere Aufmerksamkeit und Energie so sehr stehlen, dass für die Ibadat kaum noch Zeit übrig bleibt? Das aus dem Erwerbsleben bekannte Zeitmanagement kann hier helfen. Im Folgenden möchte ich die wichtigsten Methoden vorstellen, die uns helfen die Balance zwischen Broterwerb, Familie und den Ibadat zu finden.

2. Ziele definieren
Die überwiegende Mehrheit der Menschen hat keine Ziele. Laut einer Studie der Harvard Universität haben 83% der Menschen keine Karriereziele. 14% haben klare Karriereziele, haben diese aber nicht schriftlich fixiert. Diese 14% verdienen durchschnittlich dreimal mehr als die erstgenannte Gruppe. Allah bewahre uns davor, den Erfolg anhand des Einkommens zu messen. Diese Studie zeigt aber trotzdem die Wichtigkeit von Zielen auf. Nur 3% der Menschen haben sich ihre Ziele irgendwo notiert. Diese 3% verdienen durchschnittlich zehnmal mehr als die erstgenannte Gruppe. Wie würde wohl diese Studie auf die Ibadat bezogen aussehen?

Im Geschäftsleben sind Zielfindung und Strategieentwicklung komplizierte und langwierige Prozesse. Viele Bücher sind zu diesen Themen verfasst worden. Diesen Bereich können wir Muslime aber fast komplett weglassen. Denn diese Dinge hat Allah durch Sein Buch und durch die Sunna Seines Propheten Muhammad, Sallallahu alaihi wa Sallam, uns bereits offen und klar dargelegt. Unser oberstes Ziel ist der Eintritt ins Paradies. Und den Weg zum Paradies hat uns der Prophet, Sallallahu alaihi wa Sallam, als ein perfektes Beispiel vorgelebt.

Es wird uns aber bestimmt helfen, dieses oberste Ziel, den Eintritt ins Paradies, der Sunna gemäss weiter aufzuschlüsseln. Was bringt uns ins Paradies? Was können wir tun, um die Dinge, die uns ins Paradies bringen, besser in unserem Alltag zu verwurzeln?

Wenn wir hoch gesteckte Ziele in kleinere Einheiten, in Etappen, aufschlüsseln, werden die Ziele nicht nur absehbar und erreichbar. Wir haben auch nach jedem Erreichen eines Etappenziels ein Erfolgserlebnis, das uns für den weiteren Weg motiviert. Hier ein kleines Beispiel aus meinem Alltag. Beruflich habe ich mir für dieses Jahr als Ziel gesetzt, das Oracle Certified Professional Examen zu machen. Um zur Prüfung zugelassen zu werden, muss man erst OCA Certified  DBA sein, sowie einen Kurs besuchen - und natürlich sehr viel lernen. Ich habe mir zum Ziel gesetzt im Herbst dieses Examen zu machen. Als ich mir nur schon die Themengebiete angeschaut habe, die ich für die beiden Examen beherrschen muss, habe ich mir erst mal gedacht, dass dies eine Stufe zu hoch ist für mich. Dann habe ich mich aber hingesetzt und das Ziel - OCP - in einzelne Etappen aufgeteilt. Ich habe das Ziel aufgeschlüsselt.
  1. Restore/Recovery Szenarien jeden zweiten Donnerstag einen morgen lang üben, (auf diesem Gebiet werden für die OCP Prüfung sehr tiefe Kenntnisse vorausgesetzt)
  2. OCA Themen zu mindestens 80% vorbereiten
  3. OCA
  4. OCP Themen in den Grundzügen lernen
  5. Kurs besuchen
  6. OCP Themen vertieft lernen
  7. OCP Prüfung ablegen
Diese Woche habe ich das OCA Examen geschafft. Ein tolles Erfolgserlebnis. Das bestandene OCA Examen hat mich dermassen motiviert, dass ich gleich am nächsten Morgen begonnen habe einen Plan zu erstellen, in welcher Reihenfolge ich die OCP Themen lernen will. Ziele motivieren ungemein. Das ist nicht nur im Beruf so, sondern auch bei  den Ibadat.

3. Der Masterplan - wie bringe ich alles unter einen Hut?
Wir haben oft "keine Zeit". Ganz einfach weil wir einen Beruf haben, der uns fordert, vielleicht sogar ein eigenes Geschäft. Weil wir eine Familie haben, eine Frau mit der wir Zeit verbringen möchten, Kinder, die wir erziehen. Wir engagieren uns vielleicht noch in einem Moscheeverein oder machen eine Weiterbildung. Dies alles sind Aktivitäten, die überwiegend diesseitig sind. Für das Herz ist hier noch nicht viel dabei. Wir sind vor allem als Diener Allahs auf dieser Welt, dafür brauchen wir auch Zeit. Also für die Ibadat im engeren Sinne. Wie aber bringen wir all diese Dinge unter einen Hut? Der Tag hat nur 24 Stunden. Viel zu wenig, könnte man meinen. Vom Propheten wissen wir, dass er sich während einem Drittel des Tages dem Broterwerb gewidmet hat, während einem weiteren Drittel der Familie - hier ist auch das Schlafen und Essen inbegriffen, und während einem weiteren Drittel hat er sich den Ibadat gewidmet. Heute ist es manchmal schwierig, den Alltag diesem Ideal entsprechend zu gestalten. Früher, als ich noch in Zürich gearbeitet habe, war ich zusätzlich zur Arbeitszeit noch ca. 3 Stunden unterwegs,  macht zusammen mindestens 12 Stunden. Dann musste ich zu hause noch lernen, weil die Zeit im Zug nicht ausgereicht hat - ich war neben dem Job noch in Ausbildung. Die 24 Stunden eines Tages in drei gleich grosse Teile aufzuteilen war da nicht möglich. So geht es heute vielen, vielleicht sogar den meisten Menschen. Trotzdem sollten wir der Sunna des Propheten (sas) folgen, und versuchen uns diesem Ideal vom gedrittelten Tag anzunähern.

Meiner Meinung nach am besten schaffen wir das, wenn wir unser Leben in Rollen aufteilen. Ich zum Beispiel bin Diener Allahs, ich bin Ehemann, Vater, Lehrer (Dars), Lernender und DBA (mein Beruf). Jetzt, nachdem ich diese Rollen definiert habe, weiss ich was ich eigentlich alles unter diesen einen Hut bringen muss, unter meinen 24 Stunden Tag. Ich kann darauf achten, dass keine dieser Rollen über längere Zeit zu kurz kommt. Ich kann darauf achten,  dass ich die Balance halte zwischen diesen Rollen. Dies ist der Schlüssel zu einem ausgewogenen Leben.

Nachdem ich diese sechs Rollen definiert hatte habe ich mir zu jeder Rolle Gedanken gemacht. Was will ich in dieser Rolle erreichen? Welche Wünsche habe ich für diese Rolle? Was ist mein Lebensziel für diese Rolle?

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich diese Dinge auf kleinen Notizzetteln notiert, die ich mit einer Büroklammer zusammengeheftet in der Hemdtasche herumgetragen habe. Für die weitere Planung genügt das aber nicht mehr. Je nach Präferenz macht man jetzt besser mit einem A4 Blatt weiter, oder am Computer.

Wenn wir alle Lebensrollen durchgegangen sind, haben wir alles beisammen um einen Masterplan zu erstellen. Wir können unsere Ziele nun schriftlich in einem Masterplan fixieren, so wie in der vorhin erwähnten Studie die 3% dies getan haben.

Zu jeder Rolle überlegen wir nun ein oder mehrere Ziele für dieses Jahr, die dem übergeordneten Lebensziel dienen. Diese Ziele müssen messbar sein, der übergeordnete Zweck,  das Lebensziel sozusagen, idealerweise auch. Es reicht nicht, wenn wir als Jahresziel für die Rolle des Dieners Allahs aufschreiben "Ich will ein besserer Muslim werden." Dies ist nicht wirklich messbar. Wir können aber zum Beispiel als übergeordnetes Ziel aufschreiben:
  • Ich will mich Allah annähern. (Dies tönt zwar ähnlich, ist aber meiner Meinung nach ganz konkret messbar.)
  • Ich will das Diktat meiner Triebe überwinden. (wir haben letztes Mal darüber gesprochen)
  • Ich will ein bescheidener Mensch werden. (auch dies ist messbar, zum Beispiel an unseren Gefühlen, wenn unser Nachbar ein neues Cabriolet kauft. Ist in unserem Herzen nicht noch eine Spur von Neid?)
Diese Ziele halten wir neben den Rollen auf einem Blatt Papier fest. Danach schlüsseln wir dieses Jahresziel in verschiedene Etappen auf. Hier vielleicht noch ein weiteres Beispiel, diesmal aber nicht aus dem Berufsleben. Nehmen wir an, unser Ziel ist es, intensivere Gebete zu verrichten. Nun können wir nicht beim Nachtgebet aufstehen und sagen, so, ab morgen verrichte ich die Gebete intensiver. Das kommt nicht einfach so. Man muss etwas dafür tun. Wir überlegen uns also, was kann ich alles tun, um meine Gebete intensiver zu verrichten? Erst mal muss ich mich auf das Gebet vorbereiten, indem ich die Gebetswaschung mache, bewusst die Gebetswaschung mache, auch die Gebetswaschung ist eine gottesdienstliche Handlung, eine Ibadat. Es lohnt sich auch, auf die Kleidung zu achten. Beobachtet mal einen Gelehrten, der sich auf das Gebet vorbereitet. Der betet nicht in T-Shirt und Trainerhose. Der Gelehrte achtet nicht nur darauf, dass seine Kleidung frei von ritueller Verunreinigung ist. Er wählt dezente, saubere Kleidung, die nicht zu eng ist und die Aura richtig bedeckt, z.B. Einen Sarung und darüber ein langes Hemd oder einen leichten Mantel. Er setzt ein Peci auf und parfümiert sich leicht vor dem Gebet. Seht diese Liebe zu Allah, er parfümiert sich nicht unbedingt wenn er rausgeht, aber er parfümiert sich vor dem Gebet. All diese Dinge tut er ruhig und bedacht, mit den Gedanken bei Allah.
Um sich auf das Gebet einzustimmen und mit den Gedanken vom Alltagsleben etwas Abstand zu nehmen ruft man am besten vor jedem Gebet den Gebetsruf (Adhan) aus. Dies kann man auch zu hause machen, auch wenn man alleine ist. Danach betet man das jeweilige Sunnagebet, danach spricht man die Iqomat us-Solat (Gebetsruf unmittelbar vor dem Gebet) und bevor man nun mit dem Pflichtgebet beginnt ruft man sich am besten nochmals in Erinnerung was der Prophet (sas) sinngemäss gesagt hat:

"Wenn du im Gebet stehst, bete, als sei es dein letztes Gebet, und sprich kein Wort, für das du dich morgen entschuldigen musst, und baue nicht auf das, was in der Hand von Menschen liegt."

Während dem Pflichtgebet rezitieren wir langsam und konzentriert, und denken jeweils darüber nach, was wir rezitieren. Wenn wir zum Beispiel beim rezitieren der Surat ul-Fatiha "maliki Jaum id-Din" sagen, denken wir nicht bereits an das anschliessende Verbeugen, sondern denken daran, dass diese Worte bedeuten, dass Allah der absolute Herrscher am Tag des Gerichts ist, und dass dieser Tag für jeden von uns eintreffen wird. Die Verbeugungen und die Niederwerfungen machen wir nicht hastig wie Gymnastikübungen, sondern würdevoll und verharren für einen Moment in jeder Stellung. Nach dem Gebet machen wir Dhikr und sprechen ein Bittgebet. Auch beim Bittgebet ist es wichtig, dass wir konzentriert sprechen, die Worte nicht einfach herunterleiern. Wenn wir zum Beispiel in einer Lohnverhandlung sind leiern wir vor dem Chef nicht einfach runter: "Ich will mehr Lohn. Ich will mehr Lohn. Ichwillmehrlohn." Und denken dabei an etwas ganz anderes, zum Beispiel daran, welchen Film wir uns denn heute Abend im Fernesehen anschauen. Wenn wir bei der Lohnverhandlung dem Chef gegenüber sitzen, konzentrieren wir uns auf unseren Wunsch nach mehr Lohn, und alles andere verschwindet aus unserem Blickfeld. Wenn wir uns aber mit einem Bittgebet an Allah richten und Ihn um etwas bitten, denken wir dabei manchmal an alles andere. Ist das nicht vielleicht ein Grund, weshalb unser Wunsch eventuell nicht erfüllt wird? Erwarten wir es überhaupt, dass Allah unseren Wunsch erfüllt?
Fassen wir zusammen. Wir können also unser Jahresziel, das Gebet innig und intensiv zu verrichten, in folgende kleinere Ziele, oder auch Aufgaben, aufteilen:
  • Wudu bewusst als Ibadat vornehmen
  • Adhan & Iqomat us-Solat vor dem Gebet
  • Auf die Kleidung achten
  • Sunnagebete
  • Konzentriert und langsam rezitieren, würdevolle Bewegungen
  • Dhikr und Bittgebete nach dem rituellen Pflichtgebet
Dieses Vorgehen wiederholen wir für alle Rollen, die wir für uns definiert haben. Wir erstellen einen Masterplan. Jahresziele zu jeder Rolle, die in Etappen aufgeschlüsselten Ziele, all dies entspricht nun den Wünschen (oder Lebenszielen), die wir für jede dieser Rollen hegen. Es sind also keine von Aussen verordnete Ziele, die zu erreichen wir nicht wirklich motiviert sind.



Ein vereinfachtes Beispiel eines Masterplans. Die Punkte entsprechen den in diesem Artikel verwendeten Beispielen.

4. Prioritäten setzen
Wenn wir die Ziele, die wir in unserem Masterplan festgelegt haben, in Etappen aufschlüsseln, entstehen daraus idealerweise Aufgaben, für die wir einen Termin setzen können. Nehmen wir als Beispiel wieder das Jahresziel für die DBA Rolle, die OCP Zertifizierung. Ein erstes Etappenziel war das Bestehen der OCA Prüfung. Um dieses Ziel zu erreichen, musste ich mich entsprechend vorbereiten. Ich habe also eine Aufgabenliste mit allen Themen erstellt, die ich für die OCA Prüfung vorbereiten musste. Für jede Woche, die mir bis zur Prüfung blieb (es waren rund 12 Wochen), habe ich mir eine gewisse Anzahl dieser Aufgaben vorgenommen und die Aufgaben im Palm mit den entsprechenden Terminen versehen. Das hat sehr gut geklappt. Ich konnte mich stressfrei auf die Prüfung vorbereiten und wusste am Tag vor der Prüfung, dass ich mindestens 80% der Themen gut beherrsche. Und tatsächlich, ich habe 81% der Fragen richtig beantwortet.

Nun ist es aber so, dass wir im Alltag mit verschiedensten Aufgaben aus verschiedensten Bereichen überhäuft werden. Dies sind meist Aufgaben, die mit unseren Jahreszielen, die wir im Masterplan festgelegt haben, nichts zu tun haben. Wir werden mit dringenden Aufgaben überhäuft, die uns unseren Zielen nicht näher bringen, die wir aber meist sofort erledigen müssen. Diese dringenden Aufgaben können uns so sehr die Zeit rauben, dass wir tagein tagaus "keine Zeit" haben. Diese dringenden kleinen Aufgaben können uns so sehr binden, dass für die wichtigen Aufgaben keine Zeit mehr übrig bleibt. Wir geraten dann unter Druck und leiden unter Stress, falls diese Situation lang anhaltend ist.
  • Wichtige Aufgaben bringen uns unseren Zielen näher.
  • Dringende Aufgaben erfordern unsere unmittelbare Aufmerksamkeit, bringen uns unseren Zielen aber in der Regel nicht näher.
Die Gefahr besteht, dass man die wichtigen Aufgaben - die ja selten dringend sind - aufschiebt, und sich fast ausschliesslich dringenden Aufgaben widmet. Wenn ich zum Beispiel vor dem Computer sitze um als Vorbereitung auf die OCP Prüfung ein Buch aus der Oracle Dokumentation zu lesen, dann bin ich schnell am Chatten, wenn ich im Yahoo Messenger sehe, dass einer meiner Freunde online ist, ich schaue noch schnell nach, welche neuen Artikel es auf Telepolis gibt, eine E-Mail kommt rein - sie wird sofort gelesen, ich tippe vielleicht noch ein paar auf dem Pult liegende Visitenkarten ins Adressbuch ab. All dies sind Aktivitäten, die mir meine Zeit stehlen, die ich eigentlich für die Vorbereitung auf die OCP Prüfung nutzen wollte. Meist reicht die Zeit ja nicht aus, um wirklich alle anfallenden Aufgaben zu erledigen. Mit was fangen wir also an? Was muss unbedingt heute noch erledigt werden? Gibt es vielleicht Aufgaben, die wir ganz weglassen können? Weil die Zeit nicht für alle Aufgaben reicht, müssen wir Prioritäten setzen. Es ist wichtig, dass wir zwischen dringenden und wichtigen Aufgaben unterscheiden können, wenn wir nicht dauernd auf der Stelle treten wollen ohne voranzukommen. Wir dürfen nie vergessen, Wichtigkeit und Dringlichkeit ist nicht dasselbe. Wichtige Aufgaben bringen uns unseren Zielen näher, dringende Aufgaben erfordern unsere unmittelbare Aufmerksamkeit, bringen uns unseren Zielen aber in der Regel nicht näher.

Wir setzen die Prioritäten nach Wichtigkeit und Dringlichkeit, wobei wichtige Aufgaben vor dringenden Aufgaben kommen. Wenn wir beide Kriterien, Wichtigkeit und Dringlichkeit, kombinieren erhalten wir vier Kategorien von Aufgaben.





A – Aufgaben
A-Aufgaben sind wichtig und dringend, es sind Krisen. Sie haben Priorität vor allen anderen Aufgaben. Oft entstehen aus B-Aufgaben wenn sie zu lange auf die lange Bank geschoben werden A-Aufgaben. Meine Vorbereitung für diesen Unterricht wird oft am Donnerstag zur A-Aufgabe. Wenn das die Regel ist, muss man sich fragen, was man falsch macht.

B – Aufgaben
B-Aufgaben sind wichtig aber nicht dringend. Es sind diese Aufgaben, die uns unseren Zielen näher bringen. B-Aufgaben dürfen wir keinesfalls vernachlässigen, wir sollten uns ihnen regelmässig widmen, auch wenn viele dringende  Sachen anstehen. Aus B-Aufgaben werden gerne A-Aufgaben, wenn man sie zu lange aufschiebt.

C – Aufgaben
C-Aufgaben sind dringend aber nicht wichtig. In der Regel bringen uns diese Aufgaben unseren Zielen nicht näher, binden aber unsere Zeit und Energie. Je weniger C-Aufgaben man erledigen muss, je mehr Zeit bleibt für die B-Aufgaben. Hier ist es wichtig, dass man Aufgaben delegieren oder manchmal auch ganz ablehnen kann. Beim Broterwerb kann man C-Aufgaben leicht erkennen. Etwas schwieriger ist es bei den Dingen, die direkter mit dem Islam zu tun haben.

D – Aufgaben
D-Aufgaben sind weder wichtig noch dringend. Sie können oft einfach weggelassen werden. Termine, die eine D-Aufgabe sind, kann man absagen. Oft sind es aber genau die D-Aufgaben, die Spass machen. D-Aufgaben kann man bewusst machen, um zum Beispiel sich zu entspannen. Ansonsten sollte man diese Kategorie aber möglichst weglassen.

Der Prophet hat uns deutlich vorgelebt, was Priorität hat, also was B-Aufgaben sind. Die Ibadat gehören ganz klar dazu. Das Gebet ist eine B-Aufgabe. Das Gebet ist ganz wesentlich wenn es darum geht, unser oberstes Ziel zu erreichen, das Paradies. Sobald aber die Zeit für das Nachmittagsgebet naht, wir das Mittagsgebet aber noch nicht verrichtet haben, so wird das Mittagsgebet zur A-Aufgabe. Wir müssen alles andere sein lassen und uns um die Erledigung der A-Aufgabe kümmern.
Genau so können viele C- und D-Aufgaben uns die Zeit für die Ibadat stehlen, unsere B-Aufgabe. Klar sind Aufgaben wie der interreligiöse Dialog, die Verbandsarbeit (VIOKL, IGL, IFL), über den Islam informieren und all diese Dinge wichtig. Sobald aber eine grosse Gruppe von Muslimen während einer interreligiösen Veranstaltung die Zeit des Abendgebets kommen sieht, und mit dem Gebet wartet bis die Zeit des Nachtgebets anbricht, dann ist mit den Prioritäten etwas durcheinander gekommen. Ein anderes Beispiel. Jemand verbringt viel Zeit auf Websites und in Diskussionsforen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass da viel über Islam, Iman und Ibadat geschrieben, aber wenig in die Tat umgesetzt wird. Auch bei Forumsdiskussionen besteht die Gefahr, dass man die Zeit des Abendgebets kommen sieht - und aber weiterdiskutiert. Vielleicht steht man kurz vor dem Ende der Zeit des Abendgebets doch noch schnell auf und verrichtet das Gebet. Aber wahrscheinlich ist man während dem Gebet mit den Gedanken noch im Forum und nicht bei Allah. Wenn man vergleicht, was einem das Gebet bringt und was einem eine Forumsdiskussion bringt, so erkennt man leicht, dass hier etwas nicht stimmt.

Der Prophet, Sallallahu alaihi wa Sallam, hat sinngemäss gesagt:

"kein Gebet ist schwerer für die Heuchler als das Morgengebet und das Nachtgebet, aber wenn sie wüssten, das in ihnen an Segen ist, würden sie bestimmt zu ihnen kommen, selbst wenn sie kriechen müssten."

Ich will hier nicht generell Forendiskutierer und Verbandsarbeiter als Heuchler bezeichnen. Aber diese sinngemässe Überlieferung des Propheten (sas) macht doch klar, wie wichtig das Gebet ist. Es ist so wichtig, dass wir sogar kriechend zum Gebet kämen, wenn wir die wirkliche Bedeutung des Gebets kennen würden.

Ich habe für mich Dinge wie das rituelle Gebet, das Bittgebet, das Fasten und Dhikr als B-Aufgabe priorisiert. Als B-Aufgabe an der Grenze zur A-Aufgabe. Dinge wie Lernen und Dars gehören für mich persönlich auch zu den B-Aufgaben. Die Verbandsarbeit, der interreligiöse Dialog und all diese Dinge betrachte ich als C-Aufgaben. Hier sind bestimmt viele Brüder und Schwestern nicht mit mir einverstanden. Ich gebe zu, dass diese Dinge vielleicht einen gewissen B-Anteil in sich haben, aber es sind doch Aufgaben, die mich potentiell von den B-Aufgaben, den Ibadat, abhalten. Eine weitere Gefahr, die diese Aufgaben mit sich bringen, noch viel mehr als die Ibadat, ist dass man sie nicht ausschliesslich für Allah macht, sondern auch für das Ansehen unter den Menschen. Unser Ziel ist aber Allah und nicht diese Welt.

Foren, Websites, Islam-Spam etc, das sind für mich D-Aufgaben. Damit will ich meine Zeit nicht vergeuden.

5. Wochenplanung
Nur die Aufgaben nach Priorität in Kategorien einteilen reicht nicht. Wir müssen die Ausführung der Aufgaben planen. Unsere Zeit ist knapp, reicht für alle die Aufgaben kaum aus. Wenn wir die Ausführung unserer Aufgaben planen, gewinnen wir in der Regel Zeit. Vor allem aber überwinden wir dieses andauernde Reagieren auf Druck von aussen. Wir nehmen das Blatt selbst in die Hand, indem wir planen und lassen B-Aufgaben erst gar nicht zu A-Aufgaben werden.
Durch schriftliches Planen gewinnen wir unter anderem folgendes:
  • Wir machen weniger Fehler
  • Wir werden effizienter
  • Wir setzen die Ziele eher in die Tat um
  • Wir können uns selbst kontrollieren
Planen kann man mit verschiedensten Hilfsmitteln. Die einen bevorzugen einen Filofax, die anderen ein Blatt Papier, wieder andere haben eine Pinwand oder benutzen die Kühlschranktür. Ich selbst benutze einen Palm, genauer gesagt ein Palm Treo Smartphone, das im Büro an Outlook angebunden ist, und unterwegs E-Mails senden und empfangen kann. Wichtig ist, dass man schriftlich plant, und nicht einfach glaubt man habe doch alles im Kopf was ansteht.

Jeweils sonntags plane ich die kommende Woche. Um die Balance zwischen allen Lebensrollen zu halten, plane ich für jede Lebensrolle eine B-Aufgabe ein. Dies ist wichtig. Für jede Lebensrolle eine B-Aufgabe. Um ein ausgewogenes Leben führen zu können, muss jede Rolle auf ihre Kosten kommen. Zum Beispiel lange Zeit nur für die Rolle des Broterwerbs da zu sein ist nicht gut.
Ich beginne beim Planen jeweils bei den B-Aufgaben. Für die DBA Rolle, die ja Montag-Freitag die Bürozeiten belegt, verplane ich nur jeweils einen halben Tag pro Tag. Ich halte mir also jeden Tag die Hälfte frei. Dies ganz einfach weil es relativ viel Unvorhergesehenes gibt, C-Aufgaben eben. Die C-Aufgaben plane ich nicht sonntags für die ganze Woche. Die C-Aufgaben plane ich täglich neu, dies jeweils abends für den folgenden Tag. Die Rolle Diener Allahs beinhaltet vorwiegend wiederkehrende Aufgaben. Weil der Prophet (sas) eben gesagt hat, dass die von Allah am meisten geliebten Taten die regelmässigen sind. 
Beispiele für diese Wiederkehrenden Aufgaben wären zum Beispiel die folgenden:
  • Wenn man weit von den Moschee wohnt: jeweils mindestens ein Gebet pro Woche in der Moschee verrichten. (ohne dass man irgendeine Sitzung in der Moschee hat)
  • Wenn man nahe bei der Moschee wohnt: Jeweils mindestens ein Gebet pro Tag in der Moschee verrichten.
  • Regelmässiges Fasten einplanen. An diesen Tagen einen frühen Feierabend gleich mit einplanen. Mit dem regelmässigen Fasten kann man zum Beispiel beginnen, in dem man zuerst alle zwei Wochen einen Montag fastet. Ein paar Monate oder ein Jahr später jeden Monat, danach Montag und Donnerstag, dann, vielleicht Jahre später, jeden zweiten Tag.
  • Auch das Gebet mitten in der Nacht, das Qiyam ul-Lail, kann man als wiederkehrende Aufgabe planen. So kann man z.B. beginnen indem man jeden Monat ein Qiyam ul-Lail plant, später vielleicht für jede Woche, dann, wenn Allah einem die Liebe ins Herz legt zum Gebet mitten in der Nacht, kann man irgendwann vielleicht gar nicht mehr darauf verzichten und verrichtet es jede Nacht.
  • Für das Dhikr gilt das gleiche wie fürs Gebet mitten in der Nacht.
Diese Aufgaben sind nur Beispiele. Niemand soll glauben dass ich das alles mache. Mit einigen dieser Aufgaben habe ich zwar angefangen, stehe aber noch ganz am Anfang. Doch der Prophet (sas) hat, als er von den regelmässigen Taten sprach, angefügt „selbst wenn sie nur gering sind.“ Deshalb habe ich mir auf dem Palm wiederkehrende Aufgaben eingerichtet. Wenn ich zum Beispiel eine monatliche Aufgabe als erledigt markiere, dann erzeugt mir der Palm automatisch eine neue Aufgabe für den nächsten Monat. Diese Aufgabe sehe ich dann aber erst im nächsten Monat in der Aufgabenliste.

6. Kontrolle - Muhasabat un-Nafs
Wenn man schriftlich plant, hat dies nebenbei den grossen Vorteil, dass man die Einhaltung des Plans kontrollieren kann. Man kann nicht nur kontrollieren, ob man die Aufgaben, die man für den Tag oder die Woche terminiert hat, auch erledigt hat. Man kann auch kontrollieren, ob man sich auf das Jahres- und Lebensziel zu bewegt, oder ob man langsam vom Weg abkommt. Man kann sich dann fragen was falsch läuft und entsprechende Korrekturen anbringen. Sozusagen das Steuer herumreissen.

Aber nicht nur die Aufgabenerfüllung im Alltag sollte kontrolliert werden. Auch das Herz und seine Regungen muss man im Auge behalten.  Dazu mehr im Artikel "Muhasabat un-Nafs – Die Abrechnung mit sich selbst".


 

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